Autismus verstehen – die “Empathy Imbalance Hypothesis” erklärt für Kinder und Jugendliche

Eifersucht erkennen = Gedanken lesen

Von der Weisheit der Mütter

Jede Mutter autistischer Kinder weiss, dass ihre Kinder mitfühlend sind und es ihnen nicht an Menschenkenntnis fehlt. Durch die Hypothese von Smith konnte schliesslich bewiesen werden – Millionen Mütter irren sich nicht 🙂 . Darum möchte ich dir mehr über diese Hypothese erzählen. Es ist wichtig für dich.

Mitgefühl

Mitgefühl bedeutet, dass Anteil an der Situation eines anderen Menschen genommen wird. Nach Smith gibt zwei unterschiedliche Bereiche von Mitgefühl. Diese sind für dich wichtig zu kennen, da der eine Bereich Menschen im Autismus-Spektrum spielend gelingt – der andere aber viel Kopfzerbrechen bereitet. (Bitte nicht wort-wörtlich nehmen – im übertragenen Sinn.) Es gibt das HERZ-Mitgefühl und das KOPF-Mitgefühl.

 

Das HERZ-Mitgefühl und das KOPF-Mitgefühl

Das HERZ-Mitgefühl meint, dass du intuitiv aus dem Bauch heraus spürst, wenn es jemandem schlecht geht oder er sich freut oder dich jemand mag etc. Smith, der Vater dieser Hypothese quasi, geht noch weiter- Menschen im Autismus-Spektrum fühlen zu viel.

Das erklärt auch, warum mein grosser Sohn mit Asperger Syndrom sehr, sehr empfindsam auf den Klang meiner Stimme reagiert und die leiseste Ungeduld oder den minimalsten Ärger meinerseits spürt und mit diesen Informationen umgehen muss.

 

Um komplexere Gefühle wie Scham, Schuld, Eifersucht oder Stolz zu verstehen, ist Gedankenlesen notwendig. Unter Gedankenlesen versteht man, sich gedanklich in eine Person einzufühlen und somit herauszufinden, warum sie so fühlt, denkt oder handelt – sich quasi ein Bild davon zu machen, was im Kopf der anderen Person  vor sich geht. Das nennt sich KOPF-Mitgefühl. “Gedankenlesen” ist im Gegensatz zum Fühlen nicht die Paradedisziplin von autistischen Menschen. Diesbezüglich müssen ganz viele Situationen einzeln gelernt werden. Auch im miteinander Sprechen muss wahnsinnig oft die Fähigkeit des Gedankenlesens beherrscht werden, damit es keine Missverständnisse gibt.

Mein grosser Sohn mit Asperger Syndrom half mir schon klein gerne im Haushalt mit:

“Ich fand das immer super, dich als kleines Helferlein bei mir zu haben. So streckte ich dir die frisch gewaschenen und zusammen gefalteten Handtücher entgegen mit dem Auftrag, dass du diese ins WC hängen sollst. Tja 😉 …”

Fazit: Für mich als Mutter zweier Kinder ist das die schönste Hypothese überhaupt. Meine beiden Kinder sind nämlich empfindsam, liebevoll und mitfühlend. Und autistisch.

 

Literaturliste

Theunissen, G. (2014). Menschen im Autismus-Spektrum. Verstehen, annehmen, unterstützen. Stuttgart: Kohlhammer.

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